Donnerstag, 20. Oktober 2016

Der Sturm


Als ich den filigran gearbeiteten Messingschlüssel aus meinem Reticule holte, um die Tür des unauffälligen, halb zwischen den prächtigen Villen der Belleville Road versteckten Hauses aufzuschließen, zitterten meine kalten Finger so stark, dass es einige Momente dauerte, bis mir mein Vorhaben gelang. Mein Gesicht - wohlbekannt in der Gesellschaft, einst das viel gepriesene und bewunderte Antlitz einer der reichsten Erbinnen auf dem Heiratsmarkt der vorletzten Saison -, lag tief verborgen in der Kapuze meines schwarzen Samtumhangs. Es war bereits nach ein Uhr nachts, die Straßen Londons waren im wabernden Nebel kaum noch ausfindig zu machen. Mein Kutscher hatte mich direkt vor der Tür abgesetzt. Er kannte meinen Namen nicht; ich hatte ihn am Tage zuvor auf der Straße angeheuert und mit einer Anzahlung und der Aussicht auf großzügigen Lohn angewiesen, eine Straße vom Stadthaus meines Gatten entfernt um die angegebene Uhrzeit auf mich zu warten.

Endlich schwang die schwere Eichenholztür auf, und ich betrat eilig die Vorhalle. Normalerweise hätte mich Mademoiselle Rebeccas Butler empfangen, um mir den Mantel abzunehmen, aber meine gute Freundin hatte das Personal angewiesen, alles für meine Ankunft vorzubereiten und sich früh in ihren eigenen Wohntrakt zurückzuziehen. Rebecca war eine berühmte Maitresse, gleichermaßen angebetet und gefürchtet in der Gesellschaft - ersteres von den wohlhabenden Männern, die sie in regelmäßigem Wechsel zu einer Liaison baten und ihr dieses luxuriöse Leben ermöglichten; letzteres von ihren vornehmen Gemahlinnen. Eine Freundschaft zwischen ihr, der verruchten Schönheit, und mir, der wohlerzogenen, züchtigen Ehefrau des Duke of Beaufort, war so unwahrscheinlich, dass diese auch ohne unsere Geheimhaltung ohnehin niemand geglaubt hätte. Mein Gatte, beinahe dreißig Jahre älter als ich, befand sich wieder einmal in einer der langen Sitzungen des House of Lords, die durchaus einmal die ganze Nacht andauern konnten. Zumindest behauptete er das.

Wo auch immer Charles seine Nächte verbrachte, es war nicht in meinem kalten, einsamen Bett. In der Hochzeitsnacht hatte er seine Pflicht mit offensichtlichem Widerwillen erfüllt. Der Akt war beendet gewesen, ohne dass ich sicher war, ob überhaupt etwas stattgefunden hatte. Ich erinnerte mich lediglich an ein kurzes, unangenehmes Eindringen seines halb schlaffen Gemächts und einige Bewegungen, die ich kaum gespürt hatte. Mit einem Grunzen hatte er seine Aufgabe beendet und sofort mein Schlafgemach verlassen, um dieses nie mehr danach aufzusuchen. In meiner damaligen Unschuld hatte ich angenommen, die schleimige Substanz zwischen meinen Schenkeln sei der Beweis, dass ich meine Pflicht als Gattin erfüllt hatte und ihm bald einen Erben schenken würde. Doch mit dieser Gnade hatte mich Gott nicht belohnt, und seit diesem Tag wuchsen die Erwartungen auf mich stetig an, ohne dass ich jemanden gestehen konnte, dass mein eigener Ehemann mich verabscheute.

Wie naiv, wie unwissend war ich damals gewesen. Meine Freundin Rebecca, die ich bei einer Maskerade kennengelernt hatte, war dagegen eine Frau von Welt. Dank ihr wußte ich nun, wie es zwischen einer Frau und einem Mann sein konnte, und ich würde alles, alles dafür tun, um dieses Glück nur einmal zu erleben. Zu wissen, wie sich eine Frau fühlte, die begehrt wurde. Obgleich ich der Schönheit und Anmut meiner hochgewachsenen, grazilen Freundin niemals gleichkommen konnte, hatte ich die Blicke anderer Männer schon oft auf mir ruhen gespürt; meine Figur war plump, üppig und fraulich, alles andere als geeignet für die engen, hoch taillierten Kleider der neuesten Mode aus Paris. Zudem war ich das komplette Gegenteil der „englischen Rose“, hellhäutigen, blauäugigen Mädchen, die engelsgleich durch die Ballsäle glitten, um die Aufmerksamkeit eines wohlhabenden, unverheirateten Mannes auf sich zu ziehen.

Meine Vorfahren waren halb englisch, halb italienisch, und ich hatte die kräftige, robuste Statur einer toskanischen Landfrau, die mit roten Wangen Äpfel pflückt und in geflochtenen Körben nach Hause trägt. Meine Brüste waren groß und schwer; gleich, wie eng ich mein Korsett schnürte, sie drohten stets das Dekolletee meines Kleides zu sprengen. Welchem eleganten Gentleman sollte ich schon gefallen, schlanken, feingliedrigen Herren in maßgeschneiderten Satinröcken, Kniehosen und Seidenstrümpfen? Zweifellos erachteten sie mich für eine Frau zweifelhafter Herkunft, mit meiner leicht olivfarbenen Haut, meinen kastanienbraunen Locken und braunen Augen, die im Licht grünlich schimmerten - alles andere als das Aussehen, das von einer Dame der Gesellschaft erwartet wurde. Es war kein Wunder, dass mein Gatte mich nicht begehrte. Ganz ohne Zweifel hatte er mich lediglich meiner einzigartig großzügigen Mitgift wegen geehelicht, um seine Spielschulden zu begleichen. Ohne mein Geld wären seine Ländereien und der Landsitz der Familie längst veräußert gewesen, und er selbst in Newgate, dem berüchtigten Gefängnis - selbstverständlich in dem Trakt, der Gefangenen vornehmer Herkunft auf Befehl des Königs vorbehalten war. Niemals hätte man einen Duke mit gewöhnlichen Dieben, Halsabschneidern und Mördern in eine Zelle geworfen.

Das Herz schlug mir bis zum Halse, als ich den eleganten Salon in dunklen Rottönen betrat. Ein Feuer prasselte bereits einladend im Kamin, silberne Tabletts mit Wein und auserlesenen Speisen warteten auf der Anrichte. Dicke, weiche Teppiche bedeckten den Boden aus italienischem Marmor. Ein runder Mahagonitisch am Fenster hielt Cognac, Scotch und Kristallgläser bereit. Die Getränke eines Gentleman. Ich errötete tief, als ich tiefer den Raum betrat und mein Blick auf das ausladende kaminrote Sofa nahe des Kamins fiel. Es war zweifellos eine Maßanfertigung, größer und breiter als die schmalen, geschwungenen Chaiseloungues, die in den Salons der Damen standen. Doch dies war nicht der Salon einer Dame. Dieses Haus war eingerichtet zu dem einzigen Zweck, mit größtmöglichem Komfort der körperlichen Liebe zu frönen. Plötzlich hörte ich ein dumpfes Geräusch an der Tür, und die unverkennbaren Schritte eines Mannes. Ich spürte, wie meine Knie unter mir nachgaben, und ich umklammerte eilends die Lehne eines nahe stehenden Chippendale-Stuhls.

Er war hier. Nun gab es kein Zurück mehr.

Panik ergriff von mir Besitz. Ich wäre am liebsten geflüchtet, aber dies war genau, was ich gewünscht und solange herbeigesehnt hatte. Mehr als alles andere brauchte ich einen geheimen Liebhaber. Einen Mann, der mich anziehend genug fand, um sich an meinem Körper zu erfreuen. Ein Mann, der schweigen konnte und der mir hoffentlich nach einigen Treffen das Kind schenken würde, das zu gebären meine Pflicht gegenüber dem Hause Beaufort war. Mein Gatte hatte mir bei unserer Ankunft in der Stadt mitgeteilt, dass er ebendies von mir erwartete, selbstverständlich mit der nötigen Diskretion und unter Wahrung seines und meines guten Rufes. „Lasse dich von einem Stallburschen besteigen, wenn du willst“, hatte er mir beiläufig beim Frühstück mitgeteilt, als spräche er über Politik oder das Wetter. „Du siehst ohnehin aus wie ein Bauerntrampel, der Gestank und Schmutz der Gosse wird gut zu dir passen. Es ist mir gleichgültig, solange du keinen Idioten oder Krüppel wählst, obwohl diese beinahe die einzigen sind, die ihren Schwanz in deiner Nähe hochbekommen dürften. Mein zukünftiger Erbe soll mir keine Schande bereiten.“

Ich hatte nach Luft geschnappt ob dieser grausamen Worte. Niemals hatte es jemand gewagt, so zu einer Tochter eines der ältesten Adelshäuser des Landes zu sprechen. Mein Aussehen hatte ich meinem italienischen Großvater, dem Grafen von Como, zu verdanken. Doch mein Gatte hatte währenddessen unverfroren weitergespeist und mir nahegelegt, ihm innerhalb eines Jahres und eines halben entweder mit einem gesunden Erben niederzukommen oder in eine Scheidung einzuwilligen. Dies hätte meinen sicheren gesellschaftlichen Ruin bedeutet. Nicht einmal meine Eltern hätten mich danach wieder aufgenommen, da sonst sämtliche Heiratsaussichten meiner zwei Schwestern für immer zerstört gewesen wären. Mein Gatte selbst wußte inzwischen, dass er offenbar keine Kinder zeugen konnte - noch hätte er sich dazu überwinden können, auch nur ein weiteres Mal bei mir zu liegen, wie er mich unverblümt wissen ließ. Ein Kind war meine einzige Chance.

Als er aus den Schatten der Vorhalle trat, fiel nicht zum ersten Mal mein Blick auf ihn. Ich hatte bereits vom berüchtigten Earl of Valmont gehört und ihn bei mehreren Gelegenheiten vom weitem gesehen. Die ganze Gesellschaft besaß Kenntnis von seinen zahlreichen Affären, obgleich er die Namen der verheirateten Damen, die er beglückte, niemals preisgab; und niemals lag er bei einer unverheirateten Frau. Man munkelte, das mehrere Kinder der besten Familien seinen Lenden entsprungen waren, doch niemand wußte es mit Sicherheit. Ich war mir gewiss, dass ich mich auf seine Diskretion verlassen konnte. Rebecca hatte das Treffen arrangiert. Mir war nicht bewußt, warum er sich überhaupt darauf eingelassen hatte. Reizen konnte ich einen Mann mit dermaßen erlesenem Frauengeschmack sicher nicht. Aber vielleicht langweilten ihn seine zahlreichen Affären bereits so sehr, dass er sich auf ein Abenteuer einlassen wollte, rein der Abwechslung wegen.

Wie üblich trug Valmont einen schlicht geschnittenen Rock, Hosen und Stiefel in tiefem Schwarz. Lediglich seine kunstvoll gebundene Krawatte war aus weißer Seide. Man hätte ihn beinahe für einen Puritaner halten können, wäre sein unzüchtiger Lebenswandel nicht weithin bekannt gewesen. Er hielt einige Momente inne, um mich von oben bis unten zu mustern. Dabei funkte etwas in seinen Augen auf, das ich nicht sofort zu deuten wußte. Seine anfänglich finstere Mine entspannte sich, und seine Lippen verzogen sich zu einem halben Lächeln, das mein Herz schneller schlagen ließ. „Eure Gnaden“, sprach er mich mit dem korrekten Titel an, trat dann mit einigen geschmeidigen Schritten zu mir und ergriff meine Hand, um sie zu küssen.

Da ich in der Aufregung meine Handschuhe vergessen hatte, berührten zum ersten Mal die Lippen eines Mannes meinen nackten Handrücken. Ich erschauerte. Sein Mund ruhte einen Moment länger dort, als er sollte, so als wolle er meine Haut kosten. Ich konnte mich nicht rühren und kam mir vor wie ein Lamm in Gegenwart eines Wolfes, dessen Schicksal besiegelt ist. Mit der Erfahrung und Stärke dieses Mannes konnte ich mich nicht messen. Gewiss, ich konnte immer noch fliehen, und meine Angst trieb mich dazu. Doch mein Körper zwang mich dazu, zu verweilen. Es war, als ginge eine magische Anziehungskraft von diesem Mann aus und hielte mich gefangen. Nun begriff ich, wie gefährlich er war, da mir zum ersten Mal dämmerte, wie sich eine Frau in Gegenwart eines begehrenswerten Mannes fühlte. „Wie kalt du bist,“ murmelte er, und ein Schauer lief an meinem Rückgrat herab. Die vertrauliche Anrede überraschte mich, und doch schien sie der Situation mehr als angemessen. Schließich würde ich in noch diese Nacht nackt unter seinem Körper liegen und die Schenkel für ihn öffnen. Ich keuchte auf und versuchte ihm, meine Finger zu entziehen.

Zu meiner Überraschung ließ er mich sofort los und hob den Kopf, um in die Tiefen meiner Kapuze zu spähen. Dann hob er unvermittelt die Hand und warf den schweren Stoff zurück, und der Umhang glitt zu meinen Füßen auf den Boden. Ich trug darunter nur ein leichtes Tageskleid aus smaragdfarbenem Musselin, wohl wissend, dass ich es nicht lange anbehalten würde. Wieder betrachtete er mich eingehend. Sein Blick verweilte lange auf meinem Gesicht, bevor er tiefer wanderte, zu der Stelle, an der sich meine Brüste unter meinem erregten Atem hoben und senkten. Ich sah nach unten und erschrak. Sie quollen beinahe aus dem Ausschnitt meines Kleides und waren leicht gerötet. Meine Haut reagierte überaus empfindlich auf jede Stimmungslage. Niemals würde ich die alabasterfarbene Perfektion erreichen, nach der so viele Damen der Gesellschaft strebten.

„Exquisit“, sagte er zu meiner absoluten Verwunderung. „Wie die Statue einer heidnischen Göttin. Aber ich habe mich geirrt. Du bist alles andere als kalt.“ Auf einmal berührte er mich; seine Finger legten sich leicht auf meine erhitzte Wange und fuhren dann langsam über meinen Kiefer und über die Seite meines Halses herunter. Erst als er den Ansatz meiner bebenden Brüste erreichte, löste sich meine Erstarrung, und ich schlug seine Hand weg.

 „Seien Sie nicht grausam, Mylord,“ brach es wütend aus mir hervor. „Es ist nicht notwendig, die üblichen Komplimente auszusprechen. Ich nehme an, Sie haben die Bedingungen unseres Arrangements verstanden, die ich Ihnen in meinem Brief mitteilte?“

Sein Blick senkte sich in meinen, dann lächelte er. „Gewiss. Meine einzige Aufgabe ist es, die Gemahlin des Duke of Beaufort zu beglücken, mit der Hoffnung, ihm baldmöglichst einen Erben zu schenken. Ich kann Euch versichern, das ist nicht die erste Anfrage dieser Art, die an mich gestellt wird.“

Ich schnappte nach Luft. Also waren die Gerüchte wahr. Fassung annehmend, fuhr ich fort: „Und ich kann mich auf Eure absolute Diskretion verlassen?“

Er nickte. „Ihr habt mein Wort darauf. Niemand wird jemals davon erfahren. Und dieses ... Arrangement wird beendet sein, sobald Ihr es wünscht.“

„Sobald ich guter Hoffnung bin,“, korrigierte ich ihn. „Danach werden wir uns niemals wieder treffen, abgesehen von zufälligen Begegnungen in der Gesellschaft. Ich hoffe, Ihr werdet Eurem Ruf gerecht, und beweist Eure Manneskraft so schnell wie möglich.“

Sein halbes Lächeln, das mich zuvor so verunsichert hatte, kehrte zurück und wurde breiter. Plötzlich bemerkte ich, wie mir das Herz bis zum Halse pochte und mein Atem schneller ging.

„Sieh an, das Kätzchen hat Krallen“, bemerkte er. „Ich habe es mir gedacht, als ich Euch das erste Mal in Whitehall sah. Ihr wurdet damals dem König vorgestellt.“

Ich errötete tief. Auch ich erinnerte mich an diese Begegnung. Der auffallend dunkel gekleidete, hochgewachsene Mann war mir sofort aufgefallen, so sehr hob er sich von den Höflingen ab, die sich in allen Farben des Regenbogens kleideten. Sein Blick hatte mich an jenem Tag geradezu durchbohrt und mich mit unbestreitbarer Erregung, aber auch mit Zorn erfüllt. So wie jetzt. Ich war wütend auf mich selbst, auf die eigene Schwäche meines verräterischen weiblichen Körpers. Wie konnte es angehen, dass ein beinahe Fremder eine solche Reaktion in mir hervorrufen konnte?

„Du warst schon damals wunderschön,“ sagte er zu meiner Verwunderung, wieder in vertraulicher Anrede, und seine Stimme wurde noch tiefer. Bevor ich es merkte, wanderten seine Hände um mich herum zu meinem Rücken und begannen, mein Kleid aufzuschnüren. Dieser Mann nahm keine Gefangenen. „Ich konnte die Augen nicht von Dir lassen, von diesem üppigen, wohlgeformten Körper. Du bist wie für die Liebe geschaffen und wirst meiner Leidenschaft Stand halten können.“

Wieder war ich wie erstarrt, doch ich fühlte mich lebendig wie nie zuvor. Meine Haut kribbelte, das Blut rauschte in meinen Ohren. Die Nähe dieses Mannes war berauschend. Sein sauberer, doch männlicher Duft, die Wärme seiner Haut, die Kraft und Geschicklichkeit seiner Finger verwirrten mich. Bevor ich es mich versah, hatte er mein Kleid aufgeschnürt und ließ es ebenfalls zu Boden gleiten. Ich stand nur noch in meinem hauchdünnen weißen Unterkleid und meinem Korsett vor ihm. Auch diesem wandte er sich ohne Umschweife zu, doch streichelten seine Hände nun über meine Brüste, drückten sie kurz und sanft. Er strich mit den Fingerspitzen über meine Brustwarzen; erst über die eine, dann die andere, die sich unter dem dünnen Stoff aufrichteten. Verlangen durchzuckte mich und breitete sich bis in meinen Unterkörper aus. Die empfindsame Stelle zwischen meinen Schenkeln fühlte sich heiß und geschwollen an.

„Es besteht kein Grund, grausam zu sein, Mylord,“ sagte ich mit halb erstickter Stimme, obwohl ich beabsichtigt hatte, bestimmt zu sprechen. „Ich weiß, Ihr seid ein Meister Eurer Kunst,“ mir blieb kurz die Luft weg, da er mich kurz in die Brustspitze kniff und sie zwischen den Fingern rieb, bis sie sich noch mehr versteifte, „aber Ihr müßt mir nichts vorspielen. Es genügt, wenn Ihr Eure Pflicht erfüllt. Da Ihr keine Belohnung für Eure Dienste wünschtet - wie man hört, bedürft Ihr dieser auch nicht -, reicht es, wenn Ihr Euer eigenes Vergnügen sucht und die Sache schnell zu Ende bringt.“

Er lachte. „Wie Ihr wünscht, Mylady“, sagte er mit einer spöttischen Verbeugung. „Aber was ist mit deinem Vergnügen, meine Schöne? Willst du es dir selbst nicht auch erlauben?“ Mein Korsett löste sich plötzlich von meiner Taille, starke Hände zogen es auseinander und warfen es zur Seite. Die dünne Seide meines Unterkleides spannte sich auf meiner Haut, bevor er es mit einem kräftigen Ruck und ebenfalls zu Boden schleuderte. „Ich kaufe dir ein neues,“ sagte er, tief und rau. Mit wenigen weiteren Handgriffen, die seine weitreichende Erfahrung in der Kunst des Entkleidens bewiesen, entledigte er sich seiner eigenen Kleidung.

Ein Laut der Überraschung entrang sich meiner Kehle, als ich mich plötzlich auf dem Rücken auf der Chaiselongue liegend wiederfand, mit einem ungeahnt kraftvollen Ausmaß an nacktem, begierigen Mann über meinem beinahe jungfräulichen Körper. Als ich zu ihm aufblickte, erschrak ich bei dem Ausdruck in seinen Augen, den ich zuvor nicht zu deuten gewußt hatte. Es war nichts anderes als ungezügeltes, brennendes Verlangen, primitiv und unbeherrschbar. Dieser Mann wollte mich. Es gab keinen Zweifel. Das Bewusstsein erfüllt mich mit einem Gefühl lustvoller Macht, und ich spürte, wie meine Weiblichkeit feucht wurde und zu pochen begann. 

Bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte, ergriff sein Mund von mir Besitz und nahm mich mit einem Kuss, der mich aller Kraft beraubte. Seine Zunge teilte meine Lippen und erkundete mich sanft, spielte mit meiner eigenen, bis ich vor Lust aufstöhnte. Er löste sich und küßte meinen Hals, kreiste mit der Zunge auf der empfindlichen Stelle unter meinem Ohr. „Dein Gemahl muss ein verblendeter Idiot sein“, raunte er, „wenn er sein unglaubliches Glück nicht begreift. Wärest du mein, würdest du mein Bett nicht mehr verlassen.“ Seine Lippen legten sich um meine Brustwarze und sogen sie in seinen heißen, feuchten Mund.

Aufstöhnend bäumte ich mich unter ihm auf. Seine geschickten Finger finden meine feuchte Spalte und nahmen in Besitz, was ich bisher kaum gewagt hatte, zu erkunden. Meinen überraschten Laut, halb Seufzen, halb Aufschrei, unterdrückte er indes mit einem tiefen, sinnlichen Kuss. Seine Hand teilte mich, erprobte mich, bis ich ich ihm öffnete wie eine Blüte. Als sein Finger in mich eindrang, öffnete ich meine Beine weiter, ihn willkommen heißend. „Wie eng du bist“, sagte er, den Kuß unterbrechend. „So heiß und einladend. War er überhaupt jemals in diesem Paradies, hat er dich zur Seinen gemacht und dich geliebt, bis du ihn um Gnade angefleht hast?“

„Nein“, stöhnte ich, als sein Finger tiefer in mich drang. Er fügte einen zweiten hinzu und weitete mich sanft, bewegte sich in meinen Tiefen, bis ich vor Lust erschauerte. Ich genoß seinen großen, starken Körper über mir, strich mit bebenden Händen über seine Schultern, seine starken Arme und seinen Rücken. „Nur … das eine Mal.“

„Wie schändlich“, sagte Valmont, „aber auch erfreulich für mich. Ich werde es genießen, dich zu nehmen und zu formen, als seist du nur für mich gemacht worden. Nach dieser Nacht wirst du nie wieder einen anderen Schwanz in deiner lieblichen Spalte begehren.“

Seine groben Worte waren im höchsten Maße ungeeignet für die empfindsamen Ohren einer Lady. Niemals hatte ich diese Ausdrücke aus dem Munde eines Mannes gehört, nur gelegentlich ähnliches Gerede unter den Dienstboten, wenn sie sich unbeobachtet fühlten und ich ihre Unterredungen durch Zufall mit anhören konnte. Zu meinem Erstaunen erregten sie mich über alle Maßen und brachten mich dazu, seine Finger mit meinen weiblichen Säften zu bedecken. Er schien dies höchst erfreulich zu finden und senkte den Kopf - wie ich dachte, um die Angelegenheit näher zu betrachten.

Ein lauter Aufschrei entrang sich meiner Brust, als ich seine Zunge spürte. „Nein … das geht doch nicht … das ist unziemlich“, wimmerte ich angstvoll. So etwas war unmöglich! Es konnte einfach nicht zum Liebesakt dazu gehören. Ich fühlte sich schmutzig, verrucht, wie eine Straßendirne. Gleichzeitig ergriff mich die Angst, mein Geschmack, mein Geruch könnten ihn abschrecken. Doch er schien sich im Gegenteil noch daran zu erfreuen und teilte meine Blütenblätter mit den Fingern, um mit der Zunge an meiner empfindlichsten Stelle zu spielen, tiefer wandernd, kreisend und saugend, mich erbarmungslos neckend, und doch lenkte er seine Aufmerksamkeit immer wieder auf diesen einen Punkt, der zum Zentrum meines Körpers geworden zu sein schien.

Ohne Warnung wurde ich von einer Woge der Lust ergriffen, die mich höher und höher trug, bis ich mit einem weiteren Aufschrei über eine Klippe gespült und in einen warmen, dunklen Abgrund geschleudert wurde. Mein Körper wand sich unkontrolliert, zitterte, drängte sich gegen ihn, während ich in ein glückseliges Vergessen sank. Nichts existierte mehr außer ihm, der mich in starken, schützenden Armen hielt, bis die Flut verebbt war. In diesem Moment spürte ich wieder bewußt seinen langen Körper, der sich der Länge nach an mich preßte. Er nahm meine schwachen, kraftlosen Beine und legte sie sich um die Hüften, während er eine neue Position zwischen meinen Schenkeln einnahm. „Nun gehörst du mir“, sagte er, ganz nahe an meinem Ohr. Seine Stimme war mein Anker, seine Haut an meiner die höchste Form des Glücks, das ich je gespürt hatte.

Dann spürte ich seine harte Männlichkeit, wie sie ganz langsam in meine nasse, pulsierende Region drang und tief hineinstieß. „Du bist so weich und einladend“, sagte er atemlos. Die Spannung seines Körpers, der Ausdruck in meinen Augen verrieten mir, wie sehr er sich beherrschte. Sein Blick senkte sich in mich und hielt mich gefangen, während er mich langsam, aber fest und unerbittlich nahm. Als er tief, ganz tief in mir war, hielt er inne und küßte mich, so dass ich vollkommen ausgefüllt von ihm war. Dann biss er mich in die empfindsame Seite meines Halses, bis ich lustvoll aufstöhnte. „Mein“, sagte er. „Sag, dass du mein bist.“

Seine Männlichkeit pochte und pulsierte tief in meinem Inneren, und ich war unfähig, auch nur ein Wort zu sprechen. Erst als ich kaum merklich nickte, begann er sich zu bewegen. Stoß für Stoß erkundete er meine Tiefen, steigerte das schmerzliche Sehnen, das bei seinen Bewegungen von Neuem erwacht war. Als ich wieder den Gipfel erreichte, wurden die Empfindungen zuviel, und ich versuchte ihn aus mir zu drängen, ihn abzuwerfen. „Oh nein“, raunte er, „versuche es gar nicht erst. Ich mache genau so lange weiter, wie ich will.“ Seine starken Hände umschlossen meine Arme, drängten sie über meinen Kopf und hielten meine Handgelenke unerbittlich fest, während er sich langsam und noch fester in mich hineindrückte. In einem sich nur ganz allmählich steigernden Takt fing er wieder an, tief und fest zuzustoßen.

In diesem Moment begriff ich, dass ich tatsächlich ihm gehörte. Ich konnte mich nicht mehr gegen ihn wehren, sogar wenn ich es gewollt hätte. Bisher hatte er seine unbändige Kraft mir zuliebe im Zaum gehalten. Hätte ich ihn darum gebeten, er hätte mich jederzeit gehen lassen. Doch nun nicht mehr. Er war nun wie ein wildes Tier und nur noch von dem Instinkt getrieben, mich zu nehmen und zu nehmen. Er war soviel stärker als ich, und ich liebte die Tatsache, mich willkommen heißend seiner körperlichen Überlegenheit hinzugeben. Er war wie ein Sturm, der mich davontrug, um mich schließlich in seinem Zentrum schützend zu bewahren, wenn ich mich ihm nur willenlos ergab.

Seine Stöße wurden noch immer nicht schneller, aber härter und tiefer. Gleichzeitig öffnete ich mich ihm wie eine Blume, und umschloß ihn mit meiner anschwellenden Weiblichkeit, die sich dennoch immer enger um ihn zog. Ich schmiegte mich an seinen Hals und biss ihn fest, um nicht schreien zu müssen. Es war so ein wundervoller Schmerz, hart von ihm gestoßen zu werden, bis er auf Widerstand in meinem Inneren traf. Er war langsam, so unerbittlich langsam. Ich wollte ihm meine Hüften schneller und härter entgegenwerfen, aber er drückte mich erbarmungslos nieder und zwang mich dazu, mich seinem Rhythmus anzupassen.

Seine Männlichkeit pulsierte und wuchs noch mehr in mir an, und ich wußte, er würde ebenfalls den Gipfel seiner Lust erreichen. Ich stöhnte auf vor Entzücken, als er einen primitiven Laut ausstieß und sich in meine Tiefen ergoß. Und dann kam auch ich, immer und immer wieder. Er hörte erst auf zu stoßen, als wir beide schwitzend und erschöpft ineinander verschlungen niedersanken. Dann blieben wir so liegen, bis ich langsam enger wurde und seine Leidenschaft erneut erweckte …

(To be continued ... )